Ich glaube, dass heutzutage fast jeder schonmal was von 3D-Druck gehört hat. Die Technik ist in den letzten Jahren immer besser und zugänglicher für Privatpersonen geworden, und auch aus einem verständlichen Grund. Ist es nicht unheimlich cool, wenn man einfach zu Hause eigene Objekte drucken kann, von Spielzeug über Dekoration bis hin zu Ersatzteilen, einfach so auf Knopfdruck in der Hand halten? Ich bin selber ein sehr enthusiastischer Maker und besitze mittlerweile seit 1.5 Jahren meinen eigenen Drucker. In diesem Artikel erkläre ich dir alles, was du zum Einstieg in die 3D-Druck-Welt brauchst.

Warum solltest du mit 3D-Druck anfangen?
3D-Druck hat praktisch unendlich viele Möglichkeiten, die grösste Begrenzung ist deine Kreativität. Deshalb ist diese nicht ganz einfach zu beantworten, es gibt aber doch einige gute Gründe, die ich aufzählen will. Was ziemlich offensichtlich ist: 3D-Druck ist super, wenn du deine eigenen individuellen Plastikteile zu Hause produzieren willst. Aber was genau bedeutet das? Was kannst du damit alles machen? Wie schon gesagt ist es schwierig, hier einzugrenzen, weil es kaum Grenzen gibt. Ich versuche deshalb, sie in einige Kategorien einzuordnen.
Dekorationen und Spielzeug
Die erste und sehr beliebte Option sind Figuren, Dekoration und Spielzeug. Dabei kann es sich um Figuren aus einem Film oder Buch, aber auch um Objekte aus der echten Welt handeln. Mit einem 3D-Drucker kannst du so ziemlich alles machen, was dir in den Sinn kommt. Es gibt sogar Drucker, mit denen du Objekte in mehreren Farben drucken kannst.
Praktische Dinge für den Alltag
Falls du jetzt sagst, was das bringt, dann kann ich dich gut verstehen (ich denke genau gleich), aber ich kann dich auch trösten, denn 3D-Drucker sind super, um praktische Dinge zu machen. Du kannst z.B. einen Organisator für dein Pult drucken, oder einen Stand für deinen Controller oder irgendein Case. Auch hier sind die Optionen unendlich. Das Coole daran ist, dass du alles perfekt an deine Bedürfnisse anpassen kannst und das fertige Teil meistens ziemlich schnell hast. Ich finde es einfach mega cool: Wenn ich sage, oh, ich bräuchte einen Stifthalter für mein Pult, dann muss ich mir nicht einen bestellen, ich kann ihn mir einfach zu Hause drucken und habe ihn nach ein paar Stunden.
Ersatzteile und Reparaturen
Etwas weiteres, was auch super praktisch ist, sind Reparaturen. Von Computermäusen über Backöfen habe ich schon alles Mögliche repariert, und auch hier ist wieder das Coole, dass man etwas komplett custom machen kann, was perfekt das Problem löst, und du musst es nicht bestellen. Oft sind es eben gerade die kleinen Plastikteile, die brechen, von denen man oft nicht einmal Ersatz kriegt, die kaputtgehen. Es tut mir wirklich leid, dass das gerade so ausgeartet ist, aber ich glaube, das widerspiegelt 3D-Druck sehr gut. Die Möglichkeiten sind riesig.


Wie fange ich mit dem 3D-Druck an?
Super, habe ich dich überzeugt? Zum 3D-Drucken brauchst du eigentlich zwei Dinge: einen 3D-Drucker und ein Computermodell von dem, was du drucken willst.
Der passende Drucker
Mittlerweile gibt es sehr viele 3D-Drucker auf dem Markt, was schnell mal unübersichtlich werden kann. Im Grossen und Ganzen gibt es für Privatnutzer:innen 2 Typen von Druckern: FDM und SLA. FDM ist deutlich beliebter, aber was ist der Unterschied?
FDM-Drucker
Der FDM ist der „klassische“ Drucker, den du am wahrscheinlichsten kennst. Er benutzt sogenanntes „Filament“. Das ist ein Kunststofffaden, der auf einer Rolle aufgewickelt ist. Der Drucker erhitzt das Material und baut daraus Schicht für Schicht ein Objekt auf.
SLA-Drucker
Ein SLA-Drucker hingegen verfestigt mit Licht ein voreingefülltes Harz, eine Flüssigkeit, die zu Plastik wird. Beide Drucker haben ihre Vor- und Nachteile. FDM ist meistens aber die bessere Wahl für Einsteiger:innen, unter anderem weil sie einfacher in der Handhabung sind. Das gebräuchlichste Material für FDM-Drucker, PLA, ist ungiftig, lässt sich problemlos lagern, und benötigt meist keine aufwändige Nachbearbeitung. SLA-Drucker hingegen arbeiten mit Harz, das hautreizend und gesundheitsschädlich sein kann, Handschuhe und gute Belüftung sind deshalb Pflicht. Dazu kommt, dass jeder SLA-Druck nach dem Drucken in Isopropanol gereinigt und anschliessend unter UV-Licht ausgehärtet werden muss.


Warum FDM für den Einstieg praktisch ist
FDM-Drucker sind häufig günstiger im Unterhalt, haben in der Regel grössere Bauvolumen und die Materialvielfalt ist enorm. Von günstigem PLA über flexibles TPU bis hin zu hitzebeständigem PETG oder ABS. Ausserdem sind moderne FDM-Drucker deutlich schneller geworden.
Während ein SLA-Druck oft mehrere Stunden dauert und danach noch Nachbearbeitung braucht, kann ein aktueller FDM-Drucker einfache Objekte in unter einer Stunde fertigstellen. Drei sehr bekannte Marken sind Prusa, Bambu Lab und Creality. Je nach Marke starten Drucker bei 150 CHF, können aber auch mehrere Tausend Franken kosten. Ich würde dir gerne eine genaue Kaufberatung geben, aber das würde diesen Artikel sprengen. Was ich dir aber sagen kann: Ich habe eine Prusa MK4S und bin mehr als zufrieden.
Drucken ohne eigenen 3D-Drucker
Falls du dir aber keinen eigenen kaufen möchtest, gibt es auch Online-Services, denen du ein 3D-Modell senden kannst und die es dir dann drucken und per Post schicken. Ich empfehle dir aber offene Werkstätten, wie z.B. den Makerspace in Liechtenstein, wo du hingehen und vor Ort mit deren Hilfe ein Modell drucken kannst.

Das 3D-Modell
Natürlich brauchst du aber auch ein 3D-Modell. Wenn du dich jetzt fragst, woher du das haben sollst, kann ich dich beruhigen: Es gibt Webseiten, auf denen Leute 3D-Modelle hochladen, die du sich kostenlos runterladen und drucken kannst. Die bekanntesten Webseiten sind thingiverse.com, makerworld.com und printables.com. Ich persönlich bevorzuge Printables, weil mein Drucker von der gleichen Marke ist. Dort habe ich sogar einen eigenen Account, auf den ich Modelle hochlade: LI-Maker 15 | Printables.com.
Eigene Modelle erstellen
Die andere Möglichkeit, die ich persönlich besser finde, die aber auch schwieriger ist: Du kannst 3D-Modelle selbst erstellen. Dafür gibt es super Programme, die zudem kostenlos sind. Ich nutze zum Beispiel Fusion 360 von Autodesk, es gibt aber z.B. auch Onshape, was besonders praktisch ist, weil es nicht so viel Computerleistung braucht.
Der grosse Vorteil von selbst erstellten 3D-Modellen ist, dass du sie genau so gestalten kannst, wie du möchtest. Dadurch kannst du deine eigenen Ideen umsetzen und Modelle perfekt an deine Bedürfnisse anpassen. Natürlich gibt es noch weitere Möglichkeiten. Du kannst bestehende Modelle verändern oder Programme und KI-Tools nutzen, die bei der Erstellung von 3D-Modellen helfen. Das würde den Rahmen dieses Artikels aber sprengen.
Vom Modell zum fertigen Druck
Wenn du jetzt einen Drucker und ein 3D-Modell hast, ist es eigentlich ganz einfach. Du nimmst dein Modell, schickst es durch den sogenannten Slicer. Das ist ein Programm, was meistens mit dem Drucker mitkommt und was aus deinem Modell Befehle für den Drucker erstellt. Anschliessend überprüfst du, ob das richtige Material geladen ist, überträgst die Datei an den Drucker und voilà: Du kannst mit dem Drucken beginnen.
Mein eigenes 3D-Druck-Projekt: ein Flightstick
Du bist sicher schon ganz begeistert und stellst dir schon etliche coole Projekte vor, die du realisieren könntest. Genau über so ein Projekt von mir möchte ich hier noch kurz berichten, damit du eine konkrete Vorstellung von den Möglichkeiten und dem Prozess bekommst. Ich bin Flugzeug Enthusiast und nutze ab und zu Flugsimulatoren. Leider bin ich aber zu broke, einen 400 CHF Flightstick zu kaufen. Die günstigeren Modelle um die 100 CHF haben mir zu wenig coole Knöpfe. Was ist also die sinnvolle Lösung? 3D Druck.
Der Prozess sah ungefähr so aus: Weil ich zu faul war einen ganzen Stick selbst zu designen, habe ich mir ein Modell von einem Flightstick heruntergeladen. Dieses Modell hatte aber nur die Form eines Flightsticks und noch keine Funktionalität oder Features. Als nächstes habe ich mir überlegt, welche Schalter und Buttons ich verbauen möchte und habe mir alles bestellt. Daraufhin habe ich jede benötigte Aussparung, Fassung und auch gewisse Features wie z.B. ein Trigger auf das vorhandene Modell draufmodelliert.
Das zeigt gut, dass du nicht immer alles von Grund auf selbst erstellen musst. Du kannst auch eine bestehende Vorlage nehmen und sie an deine eigenen Bedürfnisse anpassen. Neben dem Stick habe ich noch eine sogenannte Gimbal-Mechanik benötigt, das was den Stick hält und was seine Position ausmisst. Zuerst habe ich versucht selbst eine zu designen, weil ich keine Kugellager hatte, die für andere Modelle aus dem Internet benötigt werden.
Das hat aber leider nicht funktioniert, deshalb habe ich auf ein sehr renommiertes Gimbal-Design aus dem Internet zurückgegriffen und es einfach so angepasst, dass es auf meine Elektronik und ohne Kugellager funktioniert. Nachdem ich alles gedruckt habe, musste ich alles verkabeln, verlöten und den Microcontroller programmieren. Und dann war ich eigentlich schon fertig.
Jetzt habe ich einen voll funktionsfähigen Flighstick, den ich sogar noch selbst gebaut habe und der genau so ist wie ich will. Ich war zwar deutlich länger dran, als hier beschrieben. Mit Unterbrüchen und Moodswings dauerte das Projekt etwa ein Vierteljahr. Gleichzeitig hatte ich aber sehr viel Spass, habe viel gelernt und am wichtigsten: Die Materialkosten lagen bei gerade einmal 30 Franken.
Für den Einstieg würde ich ein solches Mammutprojekt trotzdem nicht empfehlen. Du brauchst dafür einiges an Vorwissen und musst mit mehreren Rückschlägen rechnen. Das gehört bei solchen technischen Projekten aber ganz normal dazu. Trotzdem zeigt das Beispiel gut, was mit 3D-Druck möglich ist und wohin dich dieses Hobby führen kann.
Lohnt sich der Einstieg?
Ich hoffe, dass ich dich jetzt überzeugen konnte, denn ich finde es eines der besten überhaupt existierenden Hobbys. Falls du dir aber noch unsicher bist und vielleicht noch Angst vor dieser riesigen neuen Welt hast, dann kann ich dich nur beruhigen. Es gibt mittlerweile eine riesige Community mit etlichen Blogs und Videos. Ich kann deshalb nur noch einmal mehr sagen: Wenn du deine eigenen Ideen in echte Objekte umwandeln möchtest oder du einfach unterschiedlichste Dinge auf Knopfdruck zu Hause herstellen willst, solltest du auf jeden Fall mit dem 3D-Druck ausprobieren!
