Eileen: Mit Herzblut für das Jugendrotkreuz

Ich bin Eileen Kobler, 23 Jahre alt, und studiere derzeit Betriebsökonomie an der Fachhochschule Graubünden. Neben meinem Studium arbeite ich beim liechtensteinischen Roten Kreuz und bin Mitorganisatorin des Jugendrotkreuz. Mein Weg hierher war alles andere als geradeaus, aber jede Erfahrung hat mich näher zu dem gebracht, was ich heute bin.

«Vielleicht hätte ich mich für etwas anderes entschieden, wenn ich mir mehr Freiraum gelassen hätte.»

Aline Kobler

Eine Entscheidung aus dem Bauch heraus

Nach der Realschule stand ich vor der Wahl: eine Lehre beginnen oder ins Gymnasium wechseln? Unsicher und von vielen Interessen hin- und hergerissen, entschied ich mich für das Gymnasium. Doch schon bald merkte ich, dass das nicht der richtige Weg für mich war. Ich fühlte mich nicht wohl und suchte nach einer Alternative. Beim Schnuppern in einem Marketingbetrieb entdeckte ich meine Leidenschaft und entschied mich, das Gymnasium abzubrechen und eine KV-Lehre im Marketing zu beginnen.

Ein neuer Anfang mit der Berufsmatura

Nach der Lehre arbeitete ich zwei Jahre, um Erfahrungen zu sammeln und Geld zu verdienen. Doch der Wunsch, weiter zu lernen, führte mich zur Berufsmatura und schliesslich zur Fachhochschule. Betriebsökonomie war die logische Fortsetzung meines Interesses an Wirtschaft und Marketing. Das Studium gibt mir eine solide Grundlage für die Zukunft, auch wenn ich mir manchmal mehr Flexibilität in meinen Entscheidungen gewünscht hätte.

Engagement im Jugendrotkreuz

Neben dem Studium arbeite ich beim Roten Kreuz und bin aktiv beim Aufbau des Jugendrotkreuz in Liechtenstein. Wir setzen uns für humanitäre Projekte ein, die Spass machen und zugleich sensibilisieren. Ob Generationenaustausch oder Umweltaktionen – wir möchten junge Menschen dazu motivieren, sich für eine bessere Welt zu engagieren.

Was mich antreibt

Die Arbeit beim Roten Kreuz macht mir unglaublich viel Freude. Zu sehen, wie viel Potenzial in unseren Projekten steckt und wie wir damit einen Unterschied machen können, motiviert mich jeden Tag. Ich bin dankbar für diese Möglichkeit und hoffe, dass das Jugendrotkreuz lange bestehen bleibt und viele junge Menschen inspiriert.

Das ganze Interview lesen

Hoi miteinander und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von „25 unter 25“. Heute darf ich die Eileen Kobler vorstellen. Die Aline ist 23 Jahre alt und studiert momentan Betriebsökonomie an der Fachhochschule Graubünden. Nebenan arbeitet sie beim liechtensteinischen Roten Kreuz und ist Mitorganisatorin vom Jugendrotkreuz. Wir reden heute über ihren eher untypischen Bildungsweg und über das Jugendrotkreuz. Aline, freut mich mega, dass du heute da bist.

Es freut mich. Danke vielmals, dass ihr mich angefragt habt.

Gerne, wir wollen gerade mit unserem berühmten Kartenspiel anfangen. Du darfst jetzt da gerne drei Kärtchen auswählen. Mit wem aus deiner Familie hast du das beste Verhältnis?

Oh, gute Frage. Also ich kann zum Glück sagen, dass ich mit allen ein gutes Verhältnis habe. So am nächsten oder relativ viele Gemeinsamkeiten würde ich sagen, habe ich mit meiner Mama und vielleicht auch mit der Gotte, also der Schwester meiner Mama. Mit ihr kann ich eigentlich relativ gut über alles reden, also so ein bisschen wie mit einer Kollegin.

Voll cool. Dann die zweite Frage: Würdest du für 5’000 Euro oder in unserem Fall jetzt Franken einen Monat auf dein Handy verzichten?

Also ich würde es eigentlich gerne sagen ja, weil ich nehme mir immer wieder mal so über die Sommerferien vor, ein bisschen einen Handy-Detox zu machen. Schaffe es aber nicht wirklich. Darum vielleicht mit 5’000 Franken wäre es einfacher.

Erzählst du deinen Eltern von deinen Problemen?

Ja, eigentlich grundsätzlich schon. Kann eigentlich immer gut auf sie zurückgehen und sie um Rat fragen.

Jetzt sind mir gerade sehr viele Familienfragen eingefallen, aber ja, megaschön. Ich möchte jetzt gerade auf deinen untypischen Bildungsweg weiterleiten. Und zwar hast du ja die Realschule gemacht. Magst du erzählen, für was du dich nach der Realschule entschieden hast?

Ja, bis zur dritten Klasse bin ich in der Realschule gewesen und dort ist es dann darum gegangen, ja, in welche Richtung geht es weiter? Eine Lehre anfangen, eben die Bewerbungen schreiben oder ins Gymnasium gehen? In meinem Fall ist es dann so gewesen, dass mich doch einiges interessiert hat. Zeichnerin, KV, noch nicht so, aber ich wäre dem nicht abgeneigt gewesen. Ich war aber zu wenig entschlossen und darum habe ich dann gedacht, gut, weisst du was, ich gehe ins Gymnasium. Die Schule ist jetzt irgendwie nicht gerade so der Megakrampf für mich, darum mache ich jetzt mal weiter und es macht mir grundsätzlich auch Spass.

Im Gymi hast du dich für welches Profil entschieden?

Dort war ich mich am Entscheiden zwischen dem Sprachenprofil und Wirtschaft, aber bin dann in den Wirtschaftszweig gegangen.

Du bist ja aber auch nicht lange im Gymi gewesen. Magst du mal kurz erzählen, wieso du nicht so lange dort warst?

Ja, was soll ich sagen, bis und mit der fünften Klasse bin ich im Gymnasium gewesen. Es hat mir eigentlich relativ schnell, nachdem ich ins Gymnasium gewechselt bin, nicht mehr so megagut gefallen. Also die Realschule hat mir wirklich besser gefallen. Aber das Wirtschaftsprofil ist ja eigentlich ganz okay gewesen. Also ich habe mich dort nicht fehl am Platz gefühlt, aber eben so richtig glücklich bin ich auch nicht gewesen. Und dann habe ich irgendwo gesehen, die Realschule-Absolventverdienen jetzt schon Geld. Dann habe ich gedacht, ja, eigentlich auch nicht schlecht. Im Wirtschaftsunterricht haben wir das Thema Marketing gehabt, und es hat mir sehr gut gefallen. Dort habe ich gedacht, da möchte ich mehr darüber erfahren als nur den theoretischen Teil. Dann habe ich beim Leone Meng angefragt, ob ich mal schnuppern kann, einfach mal sehen, wie es so läuft. Es war gerade in den Osterferien, und es hat mir sehr gut gefallen, coole Aufgaben bekommen, guten Einblick. Dann habe ich ihm auch gesagt, ja, wenn er eine KV-Stelle hat, würde ich mich sofort bewerben. Er hat damals nur Grafiker ausgebildet.

Wie ist das dann abgelaufen, dass du trotz allem die Lehrstelle bekommen hast, obwohl er das eigentlich gar nicht angeboten hat?

Ich habe ihm dann einmal gesagt, dass ich sehr gerne eine KV-Lehre bei ihm machen würde, ob er das nicht ausschreiben könnte. Ich denke, bei ihm hat das etwas angeregt. Er hat sich dann im Hintergrund erkundigt über das ganze Prozedere, was ein Betrieb erfüllen muss, wenn er Lehrlinge ausbilden möchte. Irgendwann nach meinen Schnuppertagen oder meiner Schnupperwoche hat er mich und meine Eltern zu sich eingeladen für ein Nachgespräch. Dort im Gespräch ist dann herausgekommen, dass er sich erkundigt hat und es machbar wäre, mir eine KV-Stelle im Marketingbereich anzubieten. Es ging alles sehr schnell. Ich habe dann sechs Wochen vor den Sommerferien beschlossen, das Gymnasium abzubrechen und den Lehrvertrag zu unterschreiben.

Ich möchte jetzt spezifisch auch zu diesem Thema noch allen Zuhörereinen Ratschlag geben, die momentan in der Lehre sind. Meine Arbeitskollegin Tanja sagt immer, wenn wir Workshops in den Schulen haben: Auch wenn ein Betrieb momentan nicht die Lehrstelle ausgeschrieben hat, die ihr gerne hättet, und ihr wisst aber, dass sie KV oder so anbieten, dann geht trotzdem schnuppern. Lasst euch nicht einschränken oder einschüchtern davon, ob eine Lehrstelle ausgeschrieben ist oder nicht. Geht schnuppern, denn wenn es funkt zwischen dem Betrieb und dem Lehrling, kann es immer sein, dass sie spontan noch eine Lehrstelle öffnen. Zeigt euch einfach immer, egal ob es eine offene Lehrstelle gibt oder nicht. Das war in deinem Fall so, du hast die Lehre abgeschlossen und hast dann gleich wieder das Gefühl gehabt, du möchtest noch weiter machen. War es für dich von Anfang an klar, dass die BMS trotzdem noch ein Thema ist?

Also eigentlich, ich habe schon, als ich von der Realschule ins Gymnasium gewechselt habe, gewusst, dass ich studieren möchte. Eben noch nicht genau was. Aber mit der Lehre im Marketingbereich habe ich gedacht, ja okay, Wirtschaftszweig könnte es bleiben. KV ist ja auch wirtschaftslastig. Nach der Lehre habe ich dann zwei Jahre gearbeitet, weil ich gedacht habe, ja, noch ein bisschen Geld verdienen, Arbeitserfahrung sammeln. Dann habe ich die BMS Vollzeit gemacht, weil ich gedacht habe, gut, das Schulische möchte ich so schnell wie möglich wieder hinter mir haben und dann arbeiten und Geld verdienen.

Und nach der BMS hast du dich dann direkt bei der Fachhochschule angemeldet?

Ja, für mich war es eigentlich relativ von Anfang an klar. Schon während der Lehre wusste ich, dass ich eventuell noch arbeiten werde oder die BMS Teilzeit machen und arbeiten oder eben so, wie ich es gemacht habe: zwei Jahre arbeiten und dann Vollzeit BMS und dann an die Fachhochschule in Graubünden.

Du studierst Betriebsökonomie. Das sagt mir persönlich überhaupt gar nichts. Magst du mal erzählen, was du in dem Studium lernst?

Einfach gesagt, es ist Wirtschaft, aber mit praxisnaher Anwendung. Wir haben natürlich auch die klassischen Fächer wie Volkswirtschaft, Accounting, und so weiter. Im letzten Jahr gibt es dann die Vertiefung, wo man sich entscheiden kann, ob man mehr ins Start-Up, Leadership, HR oder Richtung Banken, Accounting und Finance geht.

Wie ihr wahrscheinlich schon wisst, stelle ich allen meinen Gästen beim Podcast immer Fragen im Vorfeld. Eine davon ist, ob es eine Situation gibt, in der du heute etwas anders entscheiden würdest. Du hast gesagt, vielleicht bei der Wahl deines Studiums. Was sind deine Gedanken dazu?

Ich bereue es nicht, dass ich Betriebsökonomie studiere, weil ich denke, es ist eine super Grundlage. Im Arbeitsalltag merke ich auch, dass sich viele Elemente gut vernetzen lassen, die ich im Studium lerne. Aber ich glaube, es ist eben, weil ich von Anfang an wusste, dass ich studieren möchte, habe ich mir nicht so viel Freiraum gelassen, um mich für andere Sachen zu erkundigen. Mir war es damals und auch teilweise heute noch wichtig, genau zu wissen, wie meine Zukunft aussehen wird und wie ich sie planen möchte. Aber ich habe in letzter Zeit gelernt, einfach auf mich zukommen zu lassen und nicht alles so verkrampft wissen zu müssen. Rückblickend würde ich vielleicht sagen, ich hätte mich für etwas anderes entschieden, weil ich dann entspannter gewesen wäre und nicht so viel Druck gehabt hätte.

Du arbeitest jetzt neben dem Studium noch beim Roten Kreuz in Liechtenstein und bist dort Mitorganisatorin des Jugendrotkreuz. Magst du uns kurz erklären, was das genau ist und was die Ziele des Jugendrotkreuzes sind?

Das Jugendrotkreuz ist die Jugendorganisation des liechtensteinischen Roten Kreuzes. Allgemein haben Rotkreuz-Organisationen den Grundsatz der Freiwilligkeit. Unter anderem ist ihnen auch die Stimme der Jungen wichtig. Dadurch ist jetzt auch das Jugendrotkreuz in Liechtenstein entstanden. Wir möchten coole Projekte aufziehen, sei es im Inland oder auch im Ausland, mit Bezug zur humanitären Welt. Was auch ganz wichtig ist, dass wir schon im jungen Alter anfangen können zu sensibilisieren, was auf dieser Welt passiert.

Was hat euch dazu bewegt, so etwas in Liechtenstein zu gründen?

Grundsätzlich sehen die Rotkreuz-Organisationen vor, dass man ein Jugendrotkreuz hat oder eine Plattform bietet, wo sich die Jungen engagieren können.

Welche Art von Aktivitäten oder Projekten sind dort vorgesehen?

Also, sie sollen auf jeden Fall Bezug zur humanitären Welt haben und sensibilisieren. Wir sind jetzt an verschiedenen Projekten dran. Zum Beispiel ein digitaler Umgang für Senioren, also ein Generationenprojekt mit Generationenaustausch, wo wir ihnen ganz einfach erklären, wie sie zum Beispiel WhatsApp nutzen können. Oder im umweltfreundlichen Bereich, da haben wir eine Baumpflanzaktion vorgesehen. Es sollen Projekte sein, die Spass machen, aber wo man auch die Probleme erkennt, die wir haben oder was wir ansprechen möchten.

Was meinst du, wenn du sagst, humanitäre Aufklärung?

Dort geht es darum, dass man Menschen in Notsituationen hilft. Solidarität ist ein Begriff, unter dem man sich vielleicht mehr vorstellen kann. Der Fokus ist auf den Menschen und die Unparteilichkeit – egal auf welcher Seite man steht, es wird geholfen, Mensch ist Mensch. Das kann jetzt in Kriegsgebieten sein oder bei Naturkatastrophen, wo es immer viele Notleidende gibt.

Wie siehst du die Rolle des Jugendrotkreuzes in der Zukunft von Liechtenstein?

Ich hoffe mal, dass es ganz lange anhält. Dass es wie das liechtensteinische Rote Kreuz, das nächstes Jahr sein 80-jähriges Jubiläum feiert, auch mal ein 80-jähriges Jubiläum hat. Ich hoffe einfach, dass man anhand von coolen Projekten, die Spass machen und Freiwillige engagieren, neue Projekte ins Leben rufen kann und so sensibilisieren und aufmerksam machen kann – schon in jungen Jahren.

Was motiviert dich persönlich, dass du da so viel Herzblut reinsteckst?

Es macht einfach wirklich mega viel Spass. Ich bin ja eigentlich eher per Zufall oder glücklicherweise dazugekommen. Jetzt, wo ich das alles wirklich sehr nah am Arbeitsplatz mit erlebe, sehe ich natürlich auch das ganze Potenzial, das das hat und wie wichtig diese Rolle ist. Die ganze Rotkreuz- und Rote Halbmond-Bewegung zeigt mir, wie wichtig Aufklärungsarbeit ist.

Ich danke vielmals für das spannende Gespräch und dafür, dass du uns über dein Projekt erzählst und mit so viel Herzblut dabei bist. Es freut mich mega, mehr darüber erfahren zu haben. Danke vielmals, dass du da warst.

Ja, danke vielmals für die Anfrage und folgt uns auf dem Jugendrotkreuz FL Instagram-Account, wo wir noch konkreter auf unsere Projekte eingehen.

Ich möchte mich bei allen Zuhörerbedanken fürs Zuhören und freue mich schon auf die nächste Folge. Bis zum nächsten Mal, tschau.

Klicke, um diesen Beitrag zu bewerten!