Header_Jugendsession

Jugendsession 2025: Ein Tag im Landtag 

Am 27. September hatte ich die Möglichkeit als aha-Jugendreporterin an der diesjährigen Jugendsession im Landtag teilzunehmen. Ich war schon aufgeregt, als ich hörte, dass es im Landtag stattfinden wird. Normalerweise läuft man am Landtag vorbei, aber mal drinnen zu sein, das war schon ein Erlebnis.  

Header_Jugendsession

Mein Morgen startete direkt mit der Frage: Was soll ich anziehen? Zum Glück war auf diese Frage schnell eine Antwort zu finden. In meinem Kleiderschrank sollte noch irgendwo eine Stoffhose sein. Ich musste nicht lange suchen, um sie zu finden. Dazu passend ein weisses T-Shirt und ein kleines Jäckchen. Ich packte noch schnell das Nötigste ein und lief los.  

Wie vorgesehen, kam ich pünktlich um 9.00 Uhr vor dem Landtag an. Von Weitem konnte man schon erkennen das der Eingangsbereich im Landtag mit Ballons geschmückt war, passend in Orange, wie die Flagge vor dem Landtag. Im Eingangsbereich waren schon ein paar Jugendliche und junge Erwachsene versammelt. Ich meldete mich an und bekam einen Gastausweis. Alle Teilnehmenden waren formell, gepflegt gekleidet. Einige trugen einen Anzug. Ich war froh, dass ich mehr oder weniger dem Kleiderstil der anderen entsprach.  Ein paar Teilnehmende kamen auf mich zu und stellten sich vor, was ich sehr geschätzt habe. Darunter auch der Präsident des Jugendrats, Michael Schädler, der mir erklärte, was heute alles auf dem Plan stehen würde.  

Im Plenarsaal: Startschuss in die Jugendsession 

Als alle eingetroffen waren, versammelten wir uns im Plenarsaal. Es war viel grösser als ich erwartet hatte. Ein rundlicher Tisch aus Holz nahm den grössten Teil des Saals ein. Alle Teilnehmenden nahmen Platz und verteilten sich um den Tisch, sodass alle Plätze gefüllt waren. Auf jedem Platz war ein kleines Kärtchen und ich wunderte mich, was es mit ihnen auf sich hatte. Alle Plätze waren mit einem Mikrofon und einem privaten Fach für die Landtagsabgeordneten ausgestattet. Als alle eingerichtet waren, eröffnete Michael Schädler die Jugendsession. Alle durften sich kurz mit dem Namen, aus welcher Gemeinde man kam und einem Thema, das einem wichtig war, mithilfe des Mikrofons, vorstellen. 

Was genau ist die Jugendsession?

Junge Leute zwischen 13 und 28 Jahren aus Liechtenstein treffen sich für einen Tag zur Jugendsession im Landtag in Vaduz. Sie schreiben Anträge zu einem Thema, mit Unterstützung durch Expert:innen. Anträge sind meist schriftliche Form eines Gesuchs oder einer Unterstützung, die an den Staat gerichtet werden, um ein Ziel zu erreichen.  

Eine Jugendstrategie für Liechtenstein 

Das diesjährige Thema ist die Jugendstrategie, die in der Regierung gerade aktuell diskutiert wird. Eine Jugendstrategie ist ein Plan der Regierung, der vor allem die Anliegen der jungen Leute in den Vordergrund stellt, damit sie an politischen Entscheidungen, die ihre Existenz und ihre Zukunft betreffen, ein Mitspracherecht haben. Ziel der Strategie ist es, die Politik jugendgerechter zu machen, damit junge Leute ihre Zukunft mitgestalten können und mit ihren Anliegen Gehör finden. Mithilfe der Anträge kann die Regierung eine geeignete, langfristige Jugendstrategie entwickeln.  

Von der Idee zum Antrag 

Nach der Eröffnung von Michael Schädler erfuhren alle, für welchen Zweck die Kärtchen waren. Bei der letztjährigen Jugendsession wurde eingeführt, auf jedem Platz eines oder einer Landtagsabgeordneten ein Kärtchen auszulegen. Jede:r Teilnehmende kann so der Person auf diesem Sitz eine Nachricht schreiben, die im Landtag wieder gelesen wird. 

Beitrag_Jugendsession

Anschliessend wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt, um die Präsentationen der zwei Expertinnen anzuhören, die auch vor Ort waren. Dazu sind wir in zwei verschiedene Räume gegangen. Im ersten Raum hielt Jennifer Grasberger, vom Ministerium für Gesellschaft und Justiz, die Präsentation. Hier erfuhren wir, wie ein Antrag zu schreiben ist. Diese Anträge sollten später als Grundlage für die Entwicklung der Jugendstrategie dienen. Deshalb sollte jeder Antrag, der geschrieben wird, eine klare und nachvollziehbare Formulierung sowie eine konkrete Begründung und ein Ziel beinhalten.  

Für den zweiten Vortrag sind wir in den Raum nebenan gewechselt. Hier ging es um die Jugendstrategie in der Schweiz, die von Darleen Pfister, Vorstandsmitglied im Dachverband Schweizer Jugendparlamente und Demokratieaktivistin, gehalten wurde. Die Schweizer Jugendstrategie basiert auf drei Säulen: Schutz, Förderung und Mitwirken, und wurde 2008 eingeführt. Diese Strategie bewirkt, dass auf die Bedürfnisse der jungen Leute Rücksicht genommen wird, sowohl von der Politik als auch von der Gesellschaft. Sie fördert die Entwicklung und Entfaltungsmöglichkeiten jedes einzelnen Kindes. Doch auch die Jugendstrategie der Schweiz hat noch einige Lücken, die gefüllt werden müssen. 

Beitrag Jugendsession
(Auf dem Bild ist Darleen Pfister zu sehen) 

Nach den beiden Präsentationen ging es ans Schreiben der Anträge. Dazu haben wir uns in Gruppen aufgeteilt. Alle Teilnehmenden erhielten ein Formular, mit welchem sie ihren Antrag verfassen konnten. Die Gruppen verteilten sich im Landtag, um ungestört schreiben zu können. Die Expertinnen unterstützen, wenn man auf dem Schlauch stand. Zunächst sammelten die Gruppen Ideen für ihren Antrag, diskutierten darüber und schrieben ihn später aus. 

Zwei Stimmen aus der Session 

In der Zeit, als alle schrieben, suchte ich mir zwei Teilnehmende, die ich kurz interviewen konnte. Johannes, ebenfalls im aha-Jugendteam, und Gonçalo waren auch vor Ort. Ich nutzte die Chance und stellten ihnen ein paar Fragen.  

Gonçalo Pedro Das Neves (links) Johannes (rechts)

Johannes ist 15 Jahre alt und geht ans Gymnasium in Vaduz. Gonçalo ist 24 Jahre alt und ist berufstätig. 

Beiden gefällt vor allem, dass junge Menschen ein Mitsprachrecht in der Politik haben. Sie haben sich entschieden, teilzunehmen, da es ihnen Spass macht, mit anderen zu diskutieren und andere Meinungen zu hören.  

Die Frage, wie es für sie ist, wenn sie ihre Anliegen und Ideen einbringen können, haben beide wie folgt beantwortet. Johannes sagte, es verstärkt sein Gefühl, dass er in einer Demokratie lebt. Vor allem aber: Gehört zu werden. Gonçalo meinte, für ihn macht die Demokratie Sinn, da man seine Meinung einbringen kann.  

Die Frage, was für sie bisher das Spannendste war, beantworteten sie ziemlich gleich. Das Spannendste für beide war es, die Meinungen anderer zu hören und andere Perspektiven kennenzulernen.  

Dagegen beantworteten sie die Frage, welche Änderungen sie durch die Jugendsession bewirken wollen, verschieden. Johannes meinte, dass Schüler:innen mehr Mitbestimmung im Lehrplan haben dürfen. Und Gonçalo meinte, dass das Vereinsleben von Jugendlichen gefördert werden soll, bei denen die Eltern es nicht fördern können oder wollen. 

Abstimmung & Abschluss 

Kurz nachdem ich beide interviewt hatte, wurde den Teilnehmenden mitgeteilt, dass sie nach dem Mittagessen noch Zeit hätten an den Anträgen zu schreiben und zu diskutieren. Ich bemerkte gar nicht wie schnell die Zeit verging. Als ich auf die Uhr blickte, war es schon 11.45 Uhr, also schon bald Zeit für mich zu gehen, für die ging es jedoch weiter. Ich verabschiedete mich bei Michael Schädler, zuvor hatte ich die Gelegenheit ihm noch eine Frage zu stellen.  

Was ist besonders an diesem Jahr? 

„Das Besondere an diesem Jahr ist, dass wir Jubiläum haben, da es schon die zehnte Jugendsession ist und dass wir zum ersten Mal einen vollen Landtag mit jungen Leuten haben. Vor allem aber, dass es die erste Jugendstrategie ist, die jetzt im Herbst in der Regierung ausgearbeitet wird. Und es freut uns sehr, dass so viel Fokus auf die junge Generation gelegt wird.“

Damit endete mein Besuch im Landtag. Von Johannes erfuhr ich, wie es für ihn und die anderen weiterging. Nach dem Mittagessen durften alle Teilnehmenden an den Anträgen weiterschreiben und diskutieren. Um Viertel vor zwei trafen sich wieder alle im Plenarsaal. Nach einer kurzen Ansprache eines Ministers durften alle ihre Anträge vorstellen und Fragen stellen und mitdiskutieren. Danach stimmten sie bis ca. 16.30 Uhr darüber ab, welche Anträge angenommen wurden. Anschliessend gab es Apéro. 

Persönliches Fazit 

Ich persönlich fand den Halbtag sehr spannend und nicht selbstverständlich. Es hat mir grosse Freude bereitet, dass junge Leute an der Politik teilhaben können, um ihre Zukunft aktiv mitzugestalten. Mir hat es sehr gefallen, und ich würde sehr gerne wieder an einer Jugendsession teilnehmen.  

Klicke, um diesen Beitrag zu bewerten!

Schülerin aus Vaduz