Dritter Anlauf für das Landesspital

Schon zum dritten Mal wird das Liechtensteiner Stimmvolk am 16. Juni 2024 über einen Spitalneubau abstimmen. Die Geschichte hinter der Debatte und der aktuelle Stand erfährst du in diesem Artikel.

aha-Jugendreporter Severin

Geschichte

1980 wurde das aktuelle Landesspital in Vaduz eröffnet. Das ist mittlerweile schon über 40 Jahre her, weshalb es dem heutigen Stand der Technik nicht mehr gerecht werden kann. So stellt man sich schon länger die Frage, ob es nicht an der Zeit für einen Neubau ist.

Das erste Vorhaben für die Errichtung eines neuen Spitals gab es bereits 2011. Der Vorschlag kam zum ersten Mal vors Volk und wurde dort mit 58,1 Prozent abgelehnt. Gründe dafür waren hauptsächlich die zu hohen Kosten (83 Millionen Franken), eine schlechte Planung und die Grösse. Das Spital sollte rund 66 Prozent grösser werden als das bisherige, was wahrscheinlich zu einer viel zu geringen Auslastung geführt hätte. Der erste Versuch scheiterte also letztlich an zu hohen Kosten und zu geringem Nutzen.

Das Projekt wurde daraufhin komplett überarbeitet und 2019 erneut dem Volk vorgelegt. Dieses Mal mit mehr Erfolg: Die Stimmberechtigten bewilligten die 72,5 Millionen Franken, die für den Neubau nötig sind. Bei der Detailplanung zeigte sich jedoch, dass die budgetierten Kosten bei weitem nicht ausreichen würden. Für die Realisierung wäre ein Ergänzungskredit von 21,1 Millionen Franken nötig gewesen. Dieses Debakel führte zu einem Planungsstopp, um die Planung aufzuarbeiten und die Mehrkosten zu ergründen. Die Regierung legte dem Landtag daraufhin verschiedene Varianten für das weitere Vorgehen des Projekts vor. Unter anderem auch die Variante, das Projekt aufzugeben. Der Landtag stimmte jedoch für die Fortführung der bisherigen Planung, die jedoch überarbeitet werden soll.

Das überarbeitete Gebäude umfasst zwei Operationssäle, eine Notaufnahme, eine Tagesklinik und 43 Patientenzimmer. Auf die geplante Geburtenabteilung wurde aufgrund prognostizierter geringer Auslastung verzichtet. Der Zusatzkredit beläuft sich nun nur noch auf 6 Millionen Franken. Dieser wurde vom Landtag genehmigt und eine Volksabstimmung vorerst abgewendet. Ein Referendumskomitee sammelte jedoch Unterschriften gegen das Projekt, sodass es im Juni doch noch zu einer weiteren Volksabstimmung kommen wird.

Was spricht denn nun für und was gegen das neue Landesspital?

Pro-Argumente

  • Ein Neubau ermöglicht eine weitaus bessere Anpassung an die modernen Anforderungen und eine Effizienzsteigerung im Vergleich zu einer Sanierung des bestehenden Spitals
  • Ein eigenes Landesspital bietet eine Wahlmöglichkeit für die Bevölkerung und trägt somit zur Vielfalt und Qualität der medizinischen Versorgung bei
  • Ein eigenes Landesspital Trägt zur Sicherstellung der Grundversorgung in Liechtenstein bei und verhindert eine Abhängigkeit von externen Spitälern
  • Die Ablehnung würde mittelfristig dazu führen, dass Liechtenstein keine eigene stationäre Gesundheitsversorgung mehr hat
  • Ein eigenes Spital bietet kranken Menschen eine vertraute Umgebung und eine schnelle Erreichbarkeit im Notfall
  • Das Landesspital schafft Arbeitsplätze und bietet Ausbildungsplätze, was zur Stärkung der lokalen Wirtschaft beiträgt
  • Das Landesspital ist gut positioniert, um sich an regionale Kooperationen anzuschliessen und für zukünftige Herausforderungen gerüstet zu sein
  • Im Falle einer Ablehnung wäre eine Neuplanung des Projekts oder die Entwicklung einer gänzlich neuen Lösung erforderlich, was mit einem hohen Zeitaufwand verbunden wäre. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das aktuelle Landespital bereits nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik ist

Kontra-Argumente

Die Gegner des neuen Spitals sind grösstenteils nicht grundsätzlich gegen einen Neubau. Sie sind eher gegen das aktuell geplante Projekt, weil sie meinen, dass es entweder nicht zielführend ist oder eine bessere Lösung möglich wäre.

  • Dem aktuellen Projekt mangelt es an einem zukunftsgerichteten medizinischen Konzept, das den wandelnden Bedürfnissen gerecht wird
  • Angesichts der rapiden Entwicklungen im Gesundheitswesen fehlt eine klare Vision für die zukünftige Rolle und Ausrichtung des Spitals
  • Trotz der hohen Kosten für den Spitalneubau sind die angebotenen Leistungen und die Effektivität des Projekts unklar und nicht ausreichend definiert
  • Ein gross angelegter Neubau bindet finanzielle Ressourcen und erschwert zukünftige Anpassungen an veränderte Bedürfnisse und Technologien
  • Die geplanten Nutzungskonzepte für überschüssige Flächen sind unrealistisch und könnten zu weiteren Problemen und ineffizienter Ressourcennutzung führen
  • Ein zu grosses und breit angelegtes Spital könnte zu einer Verschlechterung der Qualität führen, da die spezialisierten Fachkräfte fehlen und die Fallzahlen zu niedrig sind
  • Die geplante Kooperation mit externen Spitalpartnern könnte zu einer Unterordnung Liechtensteins unter die Interessen dieser Partner führen und die Eigenständigkeit gefährden
  • Mangelnde Vorbereitung auf Katastrophenszenarien: Das Fehlen einer eigenen Sterilisationsabteilung birgt das Risiko, dass Liechtenstein im Katastrophenfall nicht eigenständig agieren kann
  • Die geplanten Ausgaben für das Landesspital stehen nicht im Verhältnis zu den potenziellen Vorteilen und könnten Liechtenstein langfristig finanziell belasten
  • Ein Nein zum Ergänzungskredit bietet die Chance, ein überarbeitetes und zukunftsfähiges Konzept zu entwickeln, das besser auf die Bedürfnisse der Bevölkerung und die Realitäten des Gesundheitswesens eingeht

Eigene Meinung

Ich bin froh, dass ich selbst nicht abstimmen muss. Das Thema Landesspital hat eine lange Geschichte und ist kein einfaches Thema. Einerseits wäre ich froh, wenn Liechtenstein endlich ein zeitgemässes Landesspital erhalten würde und so die Gesundheitsversorgung im Land auch in Zukunft sicherstellen kann. Andererseits gäbe es sicher auch noch bessere Konzepte als das, was jetzt auf dem Tisch liegt. Trotzdem würde ich wohl „Ja“ stimmen, weil ich nicht glaube, dass sich in naher Zukunft ein viel besseres Projekt realisieren lassen würde und es weiterhin zu Problemen kommen würde. Es sollte jetzt eine Lösung her, denn wenn wir weitere 10 Jahre warten, fällt das jetzige Landesspital wohl schon langsam auseinander.

Quellen:

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