
Eine Zürcher Oberstufenschule fährt ans Meer – mit dem Velo.
Schaffen sie es bis ans Ziel? Die Jugendlichen, die mit unterschiedlichen Hürden wie Verhaltensauffälligkeiten, Leistungsdefiziten oder körperlichen Beeinträchtigungen leben, machen sich auf den Weg ans Mittelmeer. Auf ihrer Reise müssen sie nicht nur körperliche Grenzen überwinden, sondern auch den Übergang ins Erwachsenenleben meistern. Ein Dokumentarfilm von Martina Waldis über Jugendliche der Freien Oberstufenschule Zürich, begleitet von einer spannenden Podiumsdiskussion mit dem Schulleiter Linus Eugster und dem ehemaligen Schüler Oskar Siemssen.
Muriel vom aha Jugendteam hat mit zwei Teilnehmenden über den Roadmovie zur Velotour ans Meer gesprochen und gibt Einblicke in die Reise und den Film:
Wie ist die Idee entstanden, dass die Schüler:innen sich dieser Herausforderung stellen?
Adrian (Chef der Velotour) und ich sind grosse Velofans. Wir sind Alltags- und Tourenvelofahrer – schon unser Leben lang. Adrian hat diese Tour schon vor 30 Jahren mit einer kleinen Schülergruppe gemacht. Als ich vor 20 Jahren an die Schule kam, haben wir beschlossen, die Tour mit allen zu machen. (Linus Eugster)
Was wollten Sie mit der Reise für die Schüler:innen erreichen?
Die Jugendlichen sollen erleben, dass man Grossartiges leisten kann, wenn man als Gruppe sehr gut zusammenarbeitet und jede:r das Bestmögliche beiträgt. Die Erfahrung, dass man in einer Woche aus der Schweiz mit dem Velo ans Meer fahren kann, überrascht viele. Um zu glauben, dass man am Ziel tatsächlich am Meer ist, nehmen viele einen Schluck Wasser: „Sieeeee! Das isch ja würkli salzig!!“ Alleine würden das die wenigsten schaffen – zusammen packen wir es. Das gilt übrigens auch fürs Team der Lehrkräfte. Gerade in der heutigen Zeit, die stark von Individualisierung geprägt ist, lohnt es sich, Erlebnisse zu schaffen, die man nur gemeinsam bewältigen kann. Diese Erfahrung ist für viele unserer Jugendlichen prägend. Das bestätigen uns Ehemalige immer wieder. (Linus Eugster)
Gäbe es andere Wege, um ähnliche Erfahrungen zu machen?
Natürlich. Aus unserer Sicht ist zentral, dass die Erfahrung mit körperlicher Anstrengung verbunden ist. Anstrengen kann sich jede:r. Das Projekt muss so anspruchsvoll sein, dass es ohne grosse Anstrengung nicht zu schaffen ist. Man könnte zum Beispiel auch über die Alpen wandern. (Linus Eugster)
Eine Leitfrage hat sich auf die Förderung individueller Potenziale bezogen. Denken Sie, dass solche Herausforderungen auch in anderen Schulen ausgeführt werden sollten – und warum?
Absolut. Die Tour bietet unzählige Gelegenheiten, dass jede:r das individuelle Potenzial zeigen kann – beim Velofahren, beim Zelten, beim Trösten und in vielen anderen Situationen. Allerdings muss das gut dosiert werden. Diese Velotour erfordert sehr viel Erfahrung und Know-how, sowohl bei den Lehrkräften als auch bei den Jugendlichen. Wir machen jedes Jahr zwei Klassenlager und eine strenge Zweitageswanderung. So bereiten wir unsere Jugendlichen gut auf diese Tour vor. Ich empfehle jeder Schule, Klassenlager zu machen. Leider verzichten aber immer mehr Schulen darauf – auch, weil das nötige Know-how oft fehlt. (Linus Eugster)
Welche Erwartungen hatten Sie vor der Klassenfahrt – und was hat Sie am meisten überrascht, als die Jugendlichen tatsächlich unterwegs waren?
Wir waren überzeugt, dass wir es schaffen. Ohne diesen Glauben wären wir gar nicht gestartet. Am Ziel waren wir aber trotzdem irgendwie überrascht, dass wir es tatsächlich geschafft haben. Es ist und bleibt auch für uns eine Herausforderung – eine, die wir meistern können, aber auch nicht. Es funktioniert nur, wenn alle mitziehen. Das spüren sowohl die Jugendlichen als auch die Lehrpersonen. (Linus Eugster)
Als dieses Projekt der Reise bis zum Meer anstand, was haben Sie sich erwartet?
Ich habe gehofft, eine schöne Zeit mit meinen Mitschülern zu verbringen und viel draussen zu sein. Überrascht hat mich, dass fast alle Schüler so motiviert dabei waren. Gerade am Schluss haben sich alle sehr gefreut. Ich persönlich habe mich sehr darauf gefreut, Velo zu fahren und die letzte Zeit meiner Schulzeit zu geniessen. (Oskar Siemssen)
Warum sollte man sich den Roadmovie anschauen?
Ich glaube, es ist interessant zu sehen, wie Menschen mit unterschiedlichen Herausforderungen aufeinandertreffen und gemeinsam so eine grosse Reise unternehmen. (Oskar Siemssen)
Du hast Lust auf mehr? Komm am 10. März 2026 um 19:00 Uhr zur Filmvorstellung und anschliessender Diskussion zum Haus Gutenberg, Balzers. Alle Infos dazu findest du hier.
