
Strandspaziergänge, Französischstunden und Ausflüge nach Monaco und Cannes. Der Sprachaufenthalt in Nizza war für mich zwei Wochen voller neuer Eindrücke. Ich konnte mein Französisch verbessern, neue Leute aus der ganzen Welt kennenlernen und eine der schönsten Regionen Europas entdecken.
Am Samstag, dem 12. April 2026, war es dann so weit. Mit zwei Bussen starteten wir vom Rheinpark Stadion in Vaduz in Richtung Süden. Wie in jeder Stufe am Liechtensteinischen Gymnasium üblich, verbringen wir in der 5. Klasse zwei Wochen in England und in der 6. Klasse zwei Wochen in Frankreich. Die gesamte Stufe wird dabei auf verschiedene Orte aufgeteilt, dieses Jahr waren es Lyon, Nizza und Montpellier. Mein Bus fuhr nach Nizza, und gegen 16.30 Uhr kamen wir dort an. Kurz darauf wurden wir von unseren Gastfamilien abgeholt, und der Sprachaufenthalt begann.
In der Gastfamilie ankommen
Meine Gastfamilie bestand aus drei Personen: zwei Elternteilen, die beide in Monaco arbeiteten, und einem elfjährigen Sohn. Unsere Französischlehrerin hatte uns zuhause schon darauf vorbereitet, dass Franzosen neuen Menschen gegenüber eher zurückhaltend und nicht sofort herzlich sind, und genau so habe ich es in den ersten Tagen auch erlebt. Die Atmosphäre war eher geschlossen. Das hat sich aber im Laufe der Tage deutlich verbessert. Die Wohnung selbst war wirklich schön. Sie lag am Hang, und von dort hatte man einen traumhaften Ausblick. Abends ass ich meistens bei der Familie, was ich als gute Gelegenheit sah, mein Französisch im Alltag zu üben.
Vor der Abreise war ich schon sehr gespannt und voller Vorfreude, denn der Englandaufenthalt im Jahr zuvor war schlicht fantastisch gewesen. Diese Erwartungshaltung hat Nizza dann auch problemlos erfüllt.
Unterricht und Ausflüge
Am ersten Montag wurden wir in der Sprachschule in unsere Kurse eingeteilt. Ich landete im B1/B2-Kurs bei Les Ateliers FL. Der Unterricht fand täglich von 09.00 bis 12.15 Uhr statt, der Nachmittag war für Ausflüge und freie Zeit reserviert. Im Kurs arbeiteten wir an verschiedenen Zeitformen im Französischen, unter anderem dem Conditionnel. Die Klasse war mit sechs bis zehn Personen bewusst klein gehalten, weil die Zusammensetzung wöchentlich wechselte. Bei uns sassen Leute aus Amerika, Japan, Deutschland und Schweden — das sorgte für ein sehr internationales und angenehmes Klassenklima. Unsere Lehrerin Mona war dabei immer hilfsbereit und hat uns durch den Stoff geführt, ohne dass es sich jemals trocken angefühlt hätte.
„Das Klassenklima war wirklich schön, man merkte schnell, dass alle mit derselben Motivation dort waren.“
Am Nachmittag erkundeten wir die Region. Wir besuchten Museen, fuhren Fahrrad auf der Promenade des Anglaise und lagen oft einfach am Strand in der Sonne. Das war entspannend und gleichzeitig das beste Gegenprogramm zum Unterricht am Vormittag. Unter der Woche galt eine Heimkehrzeit von 22.00 Uhr, am Wochenende von 23.00 Uhr.




Ausflüge nach Cannes und Monaco
Am Samstag des ersten Wochenendes fuhren wir mit dem Zug nach Cannes, etwa 30 Minuten von Nizza entfernt. Im Gegensatz zu Nizza hat Cannes einen Sandstrand, was die ganze Sache nochmals angenehmer machte. Wir lagen in der Sonne, bräunten uns und genossen den Tag in vollen Zügen. Es war warm, entspannt und einfach sehr schön.
Am Sonntag blieben wir in Nizza. Meine Freundinnen und ich trafen uns, setzten uns in den Starbucks und schrieben dort unsere Facharbeit fertig, die wir in der zweiten Woche abgeben mussten. Nicht das klassische Sonntagsprogramm, aber mit dem richtigen Team trotzdem kurzweilig.
In der zweiten Woche fuhren wir mittwochnachmittags noch nach Monaco, ebenfalls rund 30 Minuten mit dem Zug. Ich war schon öfters an der Côte d’Azur und kannte Monaco bereits, entsprechend überraschend war es nicht mehr. Aber die Altstadt ist und bleibt beeindruckend, und der Ausflug hat sich definitiv gelohnt.
Das persönliche Highlight: die Villa Ephrussi de Rothschild
Mein absolutes persönliches Highlight war der Besuch der Villa Ephrussi de Rothschild in der Nähe von Nizza. Die Villa war enorm eindrucksvoll und prächtig, eine klassische Belle-Époque-Anlage aus dem frühen 20. Jahrhundert, errichtet zwischen 1907 und 1912 im Stil der Neorenaissance mit deutlichen Einflüssen der italienischen Renaissance. Früher gehörte sie Baronin Béatrice de Rothschild, einer Tochter des Bankiers Alphonse de Rothschild, die sie bis zu ihrem Tod 1934 bewohnte. Heute befindet sich die Villa im Besitz der Académie des Beaux-Arts und ist seit 1996 als Monument historique geschützt und öffentlich als Museum zugänglich. Die Kombination aus Architektur, Kunstsammlungen und der Lage direkt am Meer hat mich wirklich begeistert, so etwas sieht man nicht alle Tage.


Der schönste Abend
Der schönste Abend des gesamten Aufenthalts war der letzte Freitagabend vor der Heimreise. Wir gingen alle gemeinsam an den Strand und danach in die Bar WAKA. Es war ein toller Abschluss, genau die Art von Abend, die man nicht plant, aber lange in Erinnerung behält.
Am 25. April 2026 traten wir dann die Heimreise an.
„Zusammenfassend war es eine coole Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen, in eine andere Kultur einzutauchen und die Sprache im echten Alltag zu verbessern. Es ist wie Ferien, aber man lernt in jeder Hinsicht enorm viel dazu.“
Tipps für alle, die noch vor dem Sprachaufenthalt stehen
Ich denke, viele haben vor einem Sprachaufenthalt ein mulmiges Gefühl, man kommt in ein fremdes Land, wohnt bei einer Familie, die man nicht kennt, und ist plötzlich auf sich allein gestellt. Das ist verständlich. Aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen. Man kann in jeder Hinsicht nur davon profitieren.
Das Wichtigste ist, offen zu sein. Offen für neue Menschen, für eine andere Kultur, für ungewohnte Situationen. Wer sich darauf einlässt, wird merken, dass sich vieles von selbst ergibt die Gespräche, die Freundschaften, das Sprachgefühl. Man wächst daran, wird selbstständiger und offener, fast ohne es zu merken.
„Es ist wie Ferien, aber man lernt gleichzeitig in so vielen Bereichen enorm viel Neues.“
Dazu kommt, die Zeit geht schneller vorbei, als man denkt. Zwei Wochen klingen nach viel, aber plötzlich ist der letzte Freitagabend da und man wünscht sich, noch eine Woche dranzuhängen. Deshalb mein Rat, nicht zu lange zögern, nicht zu viel nachdenken einfach dabei sein, die Zeit geniessen und das Beste daraus machen. Wer das beherzigt, wird am Ende mit Sicherheit mit einem Lächeln nach Hause fahren.
Ein Vergleich mit England
Im Vergleich zum Sprachaufenthalt in der 5. Klasse in England hatte man in Nizza deutlich mehr Freiheiten. Man wusste bereits, wie alles abläuft in der Schule, in der Familie, im Alltag und konnte dadurch einfach mehr loslassen und geniessen. Das macht einen grossen Unterschied. Trotzdem ist auch der erste Sprachaufenthalt in England wertvoll, gerade weil er einen aus der Komfortzone holt.
Ich bin ein bisschen traurig, dass es nun das zweitletzte Jahr am Gymnasium war und damit auch mein letzter Sprachaufenthalt. Aber ich bin überzeugt: Wer offen in eine solche Erfahrung geht, kann nur davon profitieren. Das Wichtigste ist, das Beste daraus zu machen, die Zeit zu geniessen und für alles offen zu sein.