Falls du im Gymnasium bist, dich besonders für Naturwissenschaften interessierst oder dir überlegst, an der ETH zu studieren, dann hast du sicher schon mal was von der ETH Studienwoche gehört. Sie ist eine super Gelegenheit, die Studienmöglichkeiten der ETH kennenzulernen, denn in einer Woche (während der Schulzeit) besuchst du dort einen ausgewählten Kurs. Von Biologie über Agrarwissenschaften bis hin zu Mathe gibt es eine breite Auswahl. So sind praktisch alle Fakultäten vertreten und du bekommst einen guten Eindruck davon, wie ein mögliches Studium an der ETH aussehen könnte.

Bewerbung abgeschickt, im Mathekurs gelandet
Ich habe mich im April bei der relativ unkomplizierten Anmeldung mit einem Bewerbungsvideo beworben und wurde dann meiner Zweitwahl Mathematik zugeteilt. Meine Erstwahl war Elektrotechnik, jedoch vermute ich fast, dass ich bewusst in Mathematik eingeteilt wurde, da mein im Bewerbungsvideo angesprochenes Vorwissen Elektrotechnik wohl zu langweilig gemacht hätte. Mathematik war wiederum in zwei Gruppen bzw. Themen unterteilt, zwischen denen man wählen konnte. Neben den eigenen Interessen wurde auch der Wunsch berücksichtigt, mit meinem Freund im gleichen Kurs zu sein, schlussendlich waren wir sogar im gleichen Zimmer eingeteilt.
Eine Woche lang echtes ETH-Feeling
Empfangen wurden wir am Montagmorgen mit einem Apéro und einer anschliessenden Eröffnungspräsentation. Daraufhin teilten sich die insgesamt rund 140 Teilnehmer in ihre Gruppen auf und der Unterricht begann. Normalerweise startete unser Unterricht um 8:30 Uhr und ging bis 17:00 Uhr, mit einer Mittagspause von 11:40 bis 13:00 oder 13:30 Uhr, in der wir in die ETH-Mensa gingen. Das Essen mussten wir zwar selbst bezahlen, die Auswahl war aber gut und wir bekamen den internen Tarif.

Verschlüsseln, knobeln und Botschaften knacken
Mein Kurs beschäftigte sich mit Kryptographie (also der Verschlüsselung und Entschlüsselung von Nachrichten) und Zahlentheorie (einem Teilgebiet der Mathematik, das sich mit natürlichen Zahlen und ihren Eigenschaften befasst). Geleitet wurde er von Fabian Ziltener. Herr Ziltener ist meiner Meinung nach ein einmaliger Dozent: Er wirkte unheimlich versiert, konnte aber gleichzeitig gut erklären und nahm viel Rücksicht auf uns. So hat er uns zum Beispiel immer gefragt, wann wir morgens anfangen wollten, oder wenn wir mal Zeit übrig hatten, welches Thema wir als nächstes angehen sollten. Man könnte meinen, der Unterricht bestünde nur aus Zuhören und Mitschreiben, in der Realität war es aber eine gute Mischung aus Erklärungen von Herrn Ziltener, praktischen Übungen und gemeinsamer Besprechung von Aufgaben. Das Thema kam dem Kurs dabei sehr entgegen, weil man bei Kryptographie wirklich oft praktische Beispiele machen konnte, bei denen man sich gegenseitig zum Beispiel verschlüsselte Nachrichten schickte oder versuchte, Botschaften zu knacken.
Mehr als Unterricht: Einblick ins Campusleben
Während der Woche gab es auch an einigen Abenden Sonderprogramm. Am Mittwochabend stand ein Abendessen mit allen Teilnehmenden der Studienwoche im Dozentenfoyer auf dem Programm, einem Restaurant an der ETH, das sonst nur Dozierenden zugänglich ist. Dieses bietet zudem Zugang zu einer einmaligen Dachterrasse mit Blick über ganz Zürich. Im Anschluss daran gab es ausserdem einen Vortrag von drei ETH-Absolventen, die gemeinsam ein Startup gründen. Das war super interessant, weil man dadurch einen guten Eindruck bekam, wie sich Studium und insbesondere das Startup-Gründen an der ETH so abspielen. Am Donnerstag besuchte uns zudem der VMP, der Studentenverein für Mathematik und Physik. Er erläuterte den Ablauf des Studiums aus Studierendensicht und stellte den Verein vor, auch das vermittelte wieder eine super Idee davon, wie ein Studium an der ETH Zürich abläuft.
Auf der grossen Bühne
Den Abschluss der Studienwoche bildete am Freitagnachmittag eine Schlusspräsentation, bei der die meisten Kurse vorstellten, was sie in der Woche erarbeitet haben. Da auch Angehörige kommen durften, war der Saal sehr voll und mir persönlich hat es grossen Spass gemacht, den riesigen Saal mit unseren Mathehieroglyphen zu verwirren und vielleicht den einen oder anderen auch etwas zu belehren. Anschliessend gab es noch einen Schlussapéro.
Mein Fazit: Die Bewerbung lohnt sich
Zusammenfassend war die ETH Studienwoche für mich ein einmaliges Erlebnis, das ich jedem weiterempfehlen kann, der sich für ein Studium an der ETH interessiert oder einfach mal reinschnuppern möchte, wie das Leben als ETH-Student so aussieht. Man lernt nicht nur unheimlich viel in seinem Fach, sondern bekommt auch einen authentischen Eindruck vom Campusleben, von der Atmosphäre und von den Menschen, die dort studieren und lehren. Wer die Chance hat, sich zu bewerben, sollte sie auf jeden Fall nutzen.
